Ich habe nur Freizeit.

Erfolg – was bedeutet das für Sie persönlich?

Erfolg ist ein Wort, das die Gesellschaft benutzt, um Leistung zu belohnen.

Was betrachten Sie als den bisher größten Erfolg Ihres Lebens?

Bisher habe ich überlebt. Wenn das nicht mal der größte Erfolg ist! Trotzdem bin ich kein großer Freund von Superlativen wie „dem größten Erfolg“. Ganz wichtig ist mir aber - und das soll kein Widerspruch sein -, dass es nur „Freizeit“ gibt: die freie Entscheidung, meine Zeit so zu leben, wie ich es will.

Ich habe nur Freizeit.

Alles andere als Freiheit bedeutet für mich Gefängnis. Ohne viel Bedenken habe ich das freie Schaffen gewählt, den Weg der künstlerischen Selbstständigkeit. Es ist nämlich kein Ziel, es ist ein Weg, den ich noch weiter gehen will. Das ist vielleicht auch Erfolg: überhaupt einen Weg gefunden zu haben, den ich gehen will.

Wo und wie schöpfen Sie Kraft für den kreativen Schaffensprozess?

Um Kraft für mein Schaffen zu schöpfen, warte ich darauf, dass die Zeit vergeht.

Gibt es eine Erfahrung/ein Erlebnis, die/das Sie im kreativen Schaffensprozess weitergebracht hat?

Ein wichtiges Erlebis war es, eines Tages in meiner schönen Wohnung in der Porzellangasse aufzuwachen, mir einen Kaffee zu machen und nicht zu wissen, wie es mit dem Leben weitergeht. Da erinnere ich mich: Im Kaffehaus Phil in der Gumpendorfer Straße hing ein Zitat von Albert Camus „Soll ich mir das Leben nehmen oder lieber noch einen Kaffee?“ gleich daneben war ein Bild vom Österreichischen Bundespräsidenten van der Bellen - mit einem Kaffeehäferl. Und ich mit meinem Kaffee in meiner Wohnung hab mir selbst gesagt: Ja, diese ungewisse Frage „was mache ich heute?“ ist mein Beruf oder gar meine Berufung und das ist auch gut so und richtig und wichtig - mein Beitrag zur Menschheitsgemeinschaft. Oder zumindest ein Beitrag zur Mietergemeinschaft, damit die Nachbarn sich über den ständigen Lärm beschweren können (damit ihnen nicht fad wird).

Was inspiriert Sie? Wo holen Sie sich Inspiration?

Meine Inspiration finde ich in Menschen - in Frauen, in Kindern, in Männern. Mensch trägt eine eigene Geschichte mit sich herum, einen eigenen Horizont an Gedanken, ein eigenes Meer an Gefühlen. Wie wundervoll faszinierend und abgrundtief beängstigend und begeistert ist es, in eine solche Welt abzutauchen, eine Welt die ich selber nicht kenne, weil es ja nicht meine eigene ist. In diesem Zwischenmenschlichen finde ich meine Inspiration. Aber auch bei Reisen in meine eigene Seele finde ich Schönes: meine eigene Perspektive, meine eigene Art, meine Kraft zu Lieben oder einfach nur eine Eigenheit über die man sich super lustig machen kann, meine eigenen Fehler und Dummheiten. Daraus werden dann eher witzige Chansons.

Ein Tipp für eine junge Kreative oder einen jungen Kreativen?

Hallo Du, das ist alles Deine eigene Entscheidung.

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